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FIO fragt … zum Thema Ideenfindung: „Als echter Ideengeber muss man an die Front“

Kreativität braucht den nötigen Freiraum und das Vertrauen, auch einmal Fehler machen zu dürfen, so Nicolas Schulmann, Vorstand bei FIO. Wir sprechen mit ihm über seine Rolle als Innovationstreiber und entlocken ihm drei Tipps zur Ideenfindung.

Sie nehmen im FIO Vorstand die Position des Ideengebers und Innovationstreibers ein. Das Kind eines Mitarbeiters sagte einmal: „Wenn ich groß bin, will ich Entdecker werden wie Onkel Nicolas.“ Woher kommt dieser leidenschaftliche Entdeckergeist?

(Lacht) Das stimmt. Der Junge wurde gefragt, was ich machen würde, und ganz in seiner kindlichen Welt sagte er: „Onkel Nicolas ist Erfinder.“ Dieser Erfinder- bzw. Entdeckergeist hat sicherlich mit meinem Charakter zu tun. Ich war schon als Kind jemand, der eine eher kurze Aufmerksamkeitsspanne hatte und schnell begeisterungsfähig für Neues war – doch Neues wurde auch schnell wieder langweilig. Mit so einem Charakterset gibt es dann eben gewisse Dinge, die man gut kann, und gewisse Dinge, die man gar nicht kann. Ein Beispiel: Im Lateinunterricht in der Schule hatte ich eine glatte 6. Die Lehrerin hat zu mir gesagt: „Du bist nicht zum Vokabellernen gebaut“ – und damit hatte sie sehr recht. Was ich dafür aber sehr gut konnte, waren Fächer wie Mathe und Physik, denn das hat etwas mit abstraktem Denken zu tun, was mir immer sehr leichtgefallen ist.

Nachher habe ich mich als Unternehmer selbstständig gemacht. Da musste ich immer sehr schnell und sehr kreativ sein, gerade weil ich mich in der IT-Welt bewegte. Damals, 1999, war gerade die Dotcom-Phase, in der das Thema Internet rasch an Bedeutung gewann. Meine berufliche Prägungszeit hatte so viel damit zu tun, dass die Welt alle paar Wochen neu erfunden wurde. Ein ähnliches Momentum haben wir gerade im Bereich KI – Wahnsinn, wie sich die Entwicklungen da geradezu überschlagen. Wenn alle paar Wochen neue Dinge erfunden werden, dann ist das das Terrain, in dem ich mich am wohlsten fühle.   

Haben Sie ein Vorbild?

Mit Vorbildern ist es immer schwierig. Ich glaube, die wechseln sehr stark, je nachdem in welcher Lebensphase ich gerade bin. Ich fand zum Beispiel Nikola Tesla als Menschen wahnsinnig beeindruckend, weil er wirklich extrem „out of the box“ gedacht hat. Und das viel mehr als andere Menschen, die eher als Erfinder bekannt sind, wie Einstein. Ein wichtiger Satz von ihm war z. B.: „Gott würfelt nicht“, also ein ziemlich mechanistisches Weltbild. Heute wissen wir, dass das nicht stimmt, und bauen die ersten Quantencomputer. In Einsteins Weltbild passte die Quantenphysik aber einfach nicht rein. Er war nicht kreativ genug, um über den Schatten zu springen, dass die Welt vielleicht doch nicht so mechanistisch ist, wie er sich das gedacht hat. Dann gab es da noch Carl Friedrich Benz, der nicht dem Wunsch der Bevölkerung nach mehr Pferden vor den Wagen nachgekommen ist, sondern das erste Auto gebaut hat. Ohne solche Menschen gäbe es wohl nur wenig Veränderung in der Welt. Nikola Tesla hatte zum Beispiel so viele Ideen in seinem Kopf, dass er die meisten davon nur auf Skizzen festhalten konnte. Ebenso Leonardo da Vinci, der bereits im 14. Jahrhundert U-Boote, Hubschrauber, Dampfmaschinen und vieles mehr konzipiert hat. Das waren früher die Vorbilder für meine eigenen Entwicklungen – wobei ich mich keinesfalls an diesen Menschen mit wahnsinnig großem Horizont messen will. Aber das sind Menschen, vor denen ich mich echt verneige.

Jetzt im unternehmerischen Bereich ist zum Beispiel Elon Musk für mich so ein heutiger Leonardo da Vinci. Man kann über seinen Charakter streiten, so viel man will, aber er hat erstmal wahnsinnig große Visionen. Um nur die drei größten Projekte zu nennen: Weltraumfahrt, elektrische Mobilität und die Mensch-Maschine-Schnittstelle. Beeindruckend ist, dass er es schafft, nicht nur innovativ zu denken, sondern auch den wirtschaftlichen Erfolg meistert – das ist nur ganz wenigen gelungen. Und das auf drei so großen Feldern, indem Musk nicht kleckert, sondern klotzt mit seinen Weltideen: Das ist faszinierend.

Wie entwickeln Sie selbst neue Ideen?

Ich habe tatsächlich gerade in den letzten Jahren viel darüber nachgedacht, wie ich meine Technik, Ideen zu entwickeln, besser strukturieren kann. Auf den ersten Blick wirkt dies vielleicht ein bisschen widersprüchlich, denn Kreativität und Struktur sind ja schon zwei Prinzipien, die sehr entgegengesetzt sind. Aber nichtsdestotrotz gibt es schon Techniken, um die kreative Arbeit zu erleichtern. Hier mal drei Vorgehensweisen, die ich nutze:

  1. Neue Ideen aus Problemen der täglichen Arbeit entwickeln. Hier ist es wichtig, beim Kunden zu sein, um die tatsächlichen Probleme zu erkennen. Dazu gehe ich persönlich auch in den direkten Austausch mit Kunden und hole mir die Informationen nicht über Dritte. Denn als tatsächlicher Ideengeber kann man nur fungieren, wenn man nah „an der Front“ ist.
  1. Neue Ideen aus dem Querschnittsbereich. Was heißt das? Einerseits lese ich viel und bin recht breit interessiert. Andererseits gucke ich auch zu anderen Branchen. Ein Beispiel: Die Idee der Maklersoftware war stark beeinflusst von anderen Industrien, in der viele Menschen arbeiten. So wurde in der Autoindustrie in den 2000er-Jahren alles aufs Web umgestellt. Ich habe mir da die Frage gestellt, warum das nicht bei den Banken passiert. Und so entstand die Idee zu unserer Software. So war FIO überhaupt das erste deutsche Unternehmen, das die Webentwicklung im Bankenbereich durchgesetzt hat. Und wir waren auch die Ersten, die Webexposés erfunden haben. Das sind nur einige Ideen, die sich über Querschnittsthemen entwickelt haben.
  1. Die dritte Vorgehensweise sind Digitalisierungsworkshops mit Kunden. Hier geht es darum, den Kunden in seinem Verständnis von z. B. der Digitalisierung in Form von Workshops abzuholen. In der Durchführung dieser Workshops haben wir festgestellt, dass diese auch für uns sehr schöne Ideengeber sind. Denn wir sitzen gemeinsam mit den Kunden und lernen deren Perspektive kennen. So entwickeln sich Ergebnisse, die man sonst unter klassischen Arbeitsbedingungen nicht hätte. Und nur so kann bei den Kunden überhaupt der Wunsch entstehen, dass sie nicht das „sechste Pferd vor der Kutsche haben wollen, sondern sie wirklich ein Auto kaufen“.

Jetzt möchte ich einmal nach innen gucken zum Unternehmen. Wie fördern Sie die Kreativität unter den Mitarbeitern? 

Das fängt hier erst einmal damit an, was für Mitarbeiter eingestellt werden. Denn nicht jeder kann zum kreativen Kopf werden. Im Übrigen ist es nicht sinnvoll, wenn ein Unternehmen nur aus kreativen Köpfen besteht. Die gesunde Balance zwischen Kreativen und Strukturierten muss bewahrt sein, um ein erfolgreiches Unternehmen zu schaffen. Zweitens müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Menschen auch wirklich ermöglichen, kreativ zu sein. Was heißt das konkret? Planbarkeit ist im Business notwendig, aber eine gewisse nicht planbare Komponente schafft kreativen Freiraum. Agile Entwicklung ist ja mittlerweile zum Standard geworden, aber auch teilweise in ihren eigenen Strukturen gefangen. Ich versuche, meinen Kollegen vorzuleben, dass es nichts Negatives ist, einen Plan umzuwerfen. Dazu gehört jedoch der Mut – aber auch die Verantwortung – die eigene Meinung zu ändern und nicht auf „toten Pferden weiterzureiten“.

Wer sich an Neues wagt, muss auch des Öfteren mit Rückschlägen umgehen. Wie gehen Sie mit Rückschlägen um bei Projekten, die bereits weiter vorangeschritten sind?

In jeder Produktlebensphase muss man die Fähigkeit behalten, Dinge zu hinterfragen. Es ist einfach wichtig, sich davon zu lösen, dass Dinge fest sind. Dazu gehört auch das Scheitern. Natürlich ist es zunächst enttäuschend, wenn ein Projekt nicht klappt, wie geplant. Aber das Projektteam geht nie mit leeren Händen aus einem Projekt heraus, denn aus Fehlern lernt man ja bekanntlich.

Lernen Sie mehr aus erfolgreichen oder aus gescheiterten Projekten?

Ich habe fast alles nur aus gescheiterten Projekten gelernt. Aus erfolgreichen Projekten kann ich zumindest nur wenig lernen, weil das, was einmal gut gegangen ist, leider in einer einigermaßen gut funktionierenden Wirtschaft selten replizierbar ist. Fehler hingegen schon. Das hat etwas mit dem Marktmechanismus zu tun. Ein Bild dazu: Wenn ein Futtertrog frei ist und man ihn besetzt, dann wollen alle diesen Futtertrog besetzen. Das heißt die Wahrscheinlichkeit, dass man wieder einen „freien“ Futtertrog als Erstes findet und diesen auch als Erstes besetzen kann, ist sehr gering.

Wie wichtig ist die Beobachtung des Wettbewerbs, um neue Impulse und Ideen zu bekommen?

Das ist eine sehr persönliche Sicht. Ich habe ehrlich gesagt nie auf die Konkurrenz geschaut, weil es mir irgendwie widerstrebt zu sehen, was andere machen, um daraus Kopien für mein eigenes Leben zu fertigen. Außerdem ist es unmöglich, First Mover zu sein, wenn Unternehmen nur auf die Konkurrenz blicken. Das ist ja – gerade in der IT – ein ganz wichtiger Punkt. Denn als First Mover hat man Ideen mit einem USP, also ein einzigartiges Argument für das Produkt. Aber umso mehr man zur Konkurrenz guckt, umso weniger kann man einzigartig sein.

Schauen wir auf eine spezielle Branche: die Bankenbranche. Hier gibt es oftmals lange Entscheidungswege, und es kann schwer sein, neue Ideen voranzubringen. Wie viele Innovationen verkraften diese Kunden?

Nicht sehr viel. Aber das ist ohnehin ein Problem unserer Zeit im Generellen. Die Geschwindigkeit, in der sich unsere technischen Möglichkeiten entwickeln, ist gefühlt höher als die Geschwindigkeit, in der unsere eigenen Gehirne in der Lage sind, diese Entwicklungen auch zu verarbeiten. Ich glaube, jeder von uns spürt mehr oder weniger eine laufende Überforderung durch das, was da draußen passiert. Das ist die Kehrseite dieser schönen Kreativität und Entwicklung. Das heißt, wir alle sind in verschiedener Art von einer Überforderung betroffen, egal wie alt und in welcher Branche.

Sind kreative Menschen = innovative Menschen? Empfinden Sie diese Gleichung als richtig oder würden Sie etwas ergänzen wollen? 

Nein. Innovative Menschen sind immer kreative Menschen, aber nicht alle kreativen Menschen sind innovative Menschen. Kreativität ist ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Kriterium, um innovativ zu sein. Innovation braucht auch eine gewisse Fachkenntnis. Ein Kind ist beispielsweise auch kreativ, aber es fehlt die Erfahrung, aus dieser Kreativität etwas Produktives zu machen. Denn eine Innovation ist ja irgendetwas, was den Markt, die Branche oder den Menschen voranbringt, sonst ist diese wertlos. Deswegen braucht es eben mehr als Kreativität. Ergänzen will ich zudem noch den Punkt, den Willen, die Ideen umzusetzen – denn hieran scheitert es leider oft.

Nicolas Schulmann, Vorstand bei FIO
Nicolas Schulmann legte 1999 mit seiner Idee, ein Immobilienportal namens wohnfinder.de zu bauen, den Grundstein für FIO. Seitdem ist er als Vorstand des Unternehmens tätig. Unter seiner Verantwortung stehen die IT und die Produkte.

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